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Tillichbau der TU Dresden

Vortrag

"Gegenseitige Radikalisierung"? Zur Genese des Holocaust an den ungarischen Juden: Aktuelle Forschungskontroversen und die Erinnerungen von Zeitzeug*innen an die Jahre 1938-1944
 

Referent/in: Doreen Eschinger (Berlin)

23.11.2017 | 14:00 Uhr

Hannah-Arendt-Institut, Helmholtzstr. 6, Raum 110
 

Die Historikerin Doreen Eschinger erarbeitet derzeit eine Dissertation zum Thema „Ungarische Jüdinnen im Holocaust und die Erinnerung an die Verfolgung im Kontext von Re-Migration und Emigration“. Dabei konzentrieren sich ihre Forschungen auf die Lager Auschwitz, Ravensbrück und Buchenwald sowie auf die Frage, wie überlebende Frauen in Ungarn, in Israel und in den USA das „Leben nach dem Überleben“ in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Kontexten gemeistert haben. Dafür hat Frau Eschinger nahezu 30 Holocaustüberlebende in den oben genannten Ländern interviewt.
Im Rahmen ihrer Dissertation setzt sie sich auch ausführlich mit der Historiographie des Holocaust in Ungarn auseinander. In ihrem Vortrag wird sie aktuelle Forschungskontroversen aufzeigen, die seit den 1980er Jahren um die Frage kreisen, welche Entscheidungsprozesse den Holocaust in Ungarn vorange-trieben haben und welche Verantwortung die deutschen und ungarischen Behörden für die Deportation der ungarischen Jüdinnen und Juden jeweils tragen. War die Vernichtung der letzten großen jüdischen Gemeinde Europas das Ziel oder nur ein Ergebnis der deutschen Besatzung Ungarns? Welche Rolle spielte die eifrige Mithilfe der lokalen Behörden im Ghettoisierungsprozess und bei der Deportation von nahezu 500.000 Menschen? Und: Hätten die ungarischen Juden den Holocaust nicht auch überleben können?

Zur Referentin:
Doreen Eschinger, Stipendiatin am Hannah-Arendt-Institut und Doktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2010 bis 2017 Redakteurin im C.C. Buchner Verlag Bamberg (Redaktion Geschichte), davor Stipendiatin der Fondation pour la Mémoire de la Shoah, Paris und des Deutschen Historischen Instituts Washington, D.C. sowie Fellow am United States Holocaust Memorial Museum Washington, D.C. Von 2005 bis 2008 Mitglied des Promotionskollegs der Robert Bosch Stiftung; 2011 bis 2013 Mitarbeit an der neuen Hauptausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Zuletzt erschien von ihr die Kurzbiografie einer ungarischen Jüdin im „Gedenkbuch für die Toten des KZ Mauthausen“ (Wien 2016).