Hannah-Arendt-Institut
für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden
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Der Freiheitskampf

Dresdner Tageszeitung der NSDAP für den Gau Sachsen (1930–1945)
[ freigeschaltet sind die Jahrgänge 1930–1935 ]

Einführung in die Nutzung der Datenbank

Christiane Steigel / Manja Preissler

1. Ausgangssituation
2. "Der Freiheitskampf" als Quelle für die historische Forschung

Der "Freiheitskampf" durchlief im Verlauf seiner 15-jährigen Existenz nicht nur Veränderungen hinsichtlich seines Publikationsvolumens, sondern auch bezüglich seiner inhaltlichen Gestaltung (vgl. Markus Fischer: Neue Perspektiven auf die sächsische NS-Presse. Das NSDAP-Organ „Der Freiheitskampf“ als historische Quelle. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte, 84 (2013), S. 275–294). Während bis 1933 massive Kritik an regionalen Verwaltungsstrukturen und Persönlichkeiten der sogenannten "Systemzeit" der Weimarer Republik geübt wurde, markierten die folgenden Jahre einen deutlichen Wendepunkt in der Berichterstattung der Tageszeitung: Kennzeichnend hierfür ist der zunehmende Verzicht auf die bis dato ausgesprochen aggressive Wortwahl zugunsten einer verhältnismäßig gezügelten Rhetorik – wenngleich aus heutiger Sicht unvermindert provokativ. Auf dieser Basis entfaltete der "Freiheitskampf" schließlich das Potential, selbst bürgerliche Kreise der Großstädte zu erreichen.

Mit der veränderten Wortwahl ging in den Folgejahren zugleich eine inhaltliche Umgestaltung einher, welche gleichsam die Erweiterung des Umfanges erklärt: Die Kritik an regionaler Verwaltungsarbeit wurde zunehmend von Artikeln über internationale und nationale Politik abgelöst, wobei Ausführungen zu gesamtgesellschaftlichen Veränderungsstrategien deutlich in den Vordergrund rückten und so – neben einem umfangreichen Anzeigenteil – ein breites Informationsspektrum boten. Insbesondere an jenen Stellen, wo die nationalsozialistische Ideologie in regionale Machtstrukturen diffundieren sollte, wird das Potential des Regionalblattes deutlich: Während Verbote konkurrierender Presseerzeugnisse unmittelbar nach der Machtübernahme und die Funktion als Amtsblatt begünstigend auf die Etablierung des "Freiheitskampfes" als führende Tageszeitung in Sachsen wirkte, fand zugleich eine sukzessive Erweiterung des Leserkreises über die bisherige Zielgruppe der überzeugten Nationalsozialisten hinaus statt. Die Veränderung des Klientels hinterließ deutliche Spuren in der Berichterstattung. Erwartungsgemäß rückte die Tageszeitung deshalb nicht von ihrer offensichtlichen und primären Funktion als Propagandablatt ab, dennoch schimmern in der Wortwahl der jeweiligen Artikel tatsächlich immer wieder öffentlich geführte Kontroversen durch, etwa in Hinblick auf das im Januar 1934 in Kraft getretene "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" und dessen Auslegungen. Die nationalsozialistische Ideologie war – trotz Verfolgung und Ausschaltung politischer Gegner – nicht widerspruchslos, quasi automatisiert in der Gesamtbevölkerung zu etablieren. Dabei werden Kontroversen nicht nur in Hinblick auf ideologische Aspekte deutlich, sondern ebenso anhand anderer staatlicher Eingriffe in das Alltagsgeschehen. Mit Hilfe derartiger regionalspezifischer Zeitungsartikel über Schwierigkeiten bei der Etablierung des Nationalsozialismus werden schließlich auch die Grenzen der gleichgeschalteten Presselandschaft sichtbar.

Die Umsetzung der nationalsozialistischen Ideologie an der Basis der Gesellschaft war essentiell an die personelle Besetzung der entsprechenden Funktionsbereiche gebunden. Neben tagesaktuellen Themen sicherte der „Freiheitskampf“ außerdem einen kontinuierlichen Informationsfluss über Personen und deren Macht- bzw. Verantwortungsbereiche: Die Entwicklung Sachsens zu einem der wichtigsten Gaue im nationalsozialistischen Deutschland wird somit auch auf der Personalebene konkret beobachtbar.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges und der Umgestaltung der Industrie auf die Kriegswirtschaft ist nochmals eine Veränderung der Berichterstattung verbunden: Neben einer intensivierten Thematisierung (inter-)nationaler Dimensionen traten kriegsbedingt zudem genderbezogene Modifikationen der nationalsozialistischen Ideologie hinzu. Statt an einer vormals überwiegend erwachsenen männlichen Leserschaft orientierte sich der "Freiheitskampf" nun verstärkt an weiblichen und/oder adoleszenten Adressaten.

Der angedeutete Facettenreichtum des "Freiheitskampfes" spiegelt Machtstrukturen und Alltagsgeschehen, die pars pro toto für die regionalspezifische Ausgestaltung der NS-Ideologie gelten können. Darüber hinaus werden tiefergehende Einblicke in gesamtgesellschaftliche Interaktionen gewährt, die weit über stereotype Erwartungen an ein Propaganda-Blatt hinausgehen. Der "Freiheitskampf" bietet demnach reichhaltiges Potential für eine systematische Erschließung.

3.1 Projektentwicklung – Zielsetzung
3.2 Projektrealisierung
4. Veröffentlichung
5. Perspektive
6. Die Datenbank
7.1. Zugriffsmöglichkeiten – Themen
7.2. Zugriffsmöglichkeiten – Stichworte
7.3 Zugriffsmöglichkeiten – Personen
8. Abkürzungen auf der Website
Titelseite einer Ausgabe Der FreiheitskampfEinführung pdf Version
Einführung – pdf-Version

Die Digitalisate der Zeitung können im Lesebereich der Sächsischen Landesbibliothek (SLUB) und in der Bibliothek des Hannah-Arendt-Instituts eingesehen werden.

In Zusammenarbeit mit der Logo Sächsischen Landesbibliothek Abkürzung SLUB