KMSK Hannah-Arendt-Institut - Forschung
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Tillichbau der TU Dresden

 

Die Diktatur des Proletariats. Eine Begriffs - und Wirkungsgeschichte

 

Forschungsfeld:  Theoretische und konzeptionelle Grundlagen

Bearbeitung / Koordination:  PD Dr. Mike Schmeitzner

In der Zeit der Systemauseinandersetzung zwischen Ost und West verstanden sich die Staaten des Ostblocks selbst als „Diktatur[en] des Proletariats“. Mit dieser Charakterisierung bezogen sie sich auf die einschlägige Formel bei Karl Marx, der 1875 den Staat der „politischen Übergangsperiode“ vom Kapitalismus zum Kommunismus als „revolutionäre Diktatur des Proletariats“ beschrieben hatte. Maßgeblicher als Marx erschien den späteren Parteikommunisten jedoch Lenins Interpretation, der Marxens Formel mit der eigenen Avantgarde-Theorie zum Modell eines diktatorischen Einparteisystems verschmolz. Der dem gemäße staatliche Aufbau Sowjetrusslands beflügelte in der Folge nicht nur sowjetische oder deutsche Diskussionen, sondern darüber hinaus theoretische und praktische Entwicklungen in weiten Teilen der Welt. Mike Schmeitzners Forschungen werden daher bei der „klassischen“ Definition des 19. Jahrhunderts ansetzen, um der Wirkmächtigkeit der oft strapazierten Formel nachzugehen. Die Untersuchung möchte Begriffsgeschichte und Wirkungsgeschichte miteinander verbinden und sich aus diesem Grund ideengeschichtlich und historisch-empirisch ausrichten, da immer neue Interpretationen und Deutungen auf den konkreten historischen Kontext zurückgeführt werden müssen. Dass die deutsche Sicht und die deutsche Entwicklung nicht allein im Fokus stehen werden, versteht sich dabei von selbst; neben der sowjetischen und osteuropäischen Entwicklung werden auch bemerkenswerte Zwischenkriegsentwicklungen in Österreich und der Schweiz analysiert.

letzte Änderung: 20.04.2015