KMSK Hannah-Arendt-Institut - Forschung
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Tillichbau der TU Dresden

 

Gesellschaftsgeschichte Sachsens während des „totalen Krieges“ (1943–1945)

 

Forschungsfeld:  Nationalsozialismus

Bearbeitung / Koordination:  Dr. Francesca Weil

Sachsen war der am dichtesten besiedelte Gau (1939: ca. 5,2 Mio. Einwohner) des „Dritten Reiches“. In der NSDAP besaß er zahlenmäßig das stärkste Gewicht und Gauleiter Martin Mutschmann gehörte zweifellos zu den mächtigsten regionalen Parteiführern. Da das Gebiet in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges außerhalb der Reichweite der alliierten Bomberflotten lag, wurden seit 1942/43 Teile der Rüstungsproduktion aus ganz Deutschland hierher verlagert. Dadurch gewann Sachsen zusätzlich an wirtschaftlicher Bedeutung und entwickelte sich schließlich zur „Rüstungskammer“ des Deutschen Reiches. Bis gegen Ende des Jahres 1943 herrschten in der Region noch fast friedensähnliche Verhältnisse. Doch mit dem verheerenden Angriff auf Leipzig im Dezember 1943 kam der Krieg auch in Sachsen an. Die Luftangriffe auf Dresden, Chemnitz und Plauen im Jahr 1945 zählten zu den schwersten Bombardierungen unmittelbar vor Kriegsende. Als im Frühjahr 1945 sowohl sowjetische als auch amerikanische Truppen in Sachsen einrückten, wurde das Land zu einem der letzten Kampfgebiete auf deutschem Boden. Aufgrund der rasanten Veränderungen in den Jahren 1943 bis 1945 bietet sich der Gau Sachsen – geographisch identisch mit dem Reichsland – als Untersuchungsgegenstand für eine Gesellschaftsgeschichte an. Die chronologisch aufgebaute Studie wird die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungsprozesse in einer gesellschaftlichen Gesamtbetrachtung zusammenführen. Ausgehend von den Forschungsansätzen „Herrschaft als soziale Praxis“ und „Herrschaftsanspruch versus soziale Wirklichkeit“ soll eine akteursbezogene Schilderung entstehen, die vor allem Personen wie auch soziale Gruppierungen und ihre Interaktionen innerhalb der späten Kriegsgesellschaft in den Vordergrund rückt. Mittels dieser Ansätze kann u.a. der Frage nach den jeweiligen Anteilen von Personen oder Personengruppen am Erhalt der Funktionsfähigkeit des NS-Regimes in den letzten Kriegsjahren nachgegangen werden.

letzte Änderung: 20.04.2015