KMSK Hannah-Arendt-Institut - Forschung
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Tillichbau der TU Dresden

 

Varianten der Autokratie und ihre Dauerhaftigkeit

 

Forschungsfeld:  Theoretische und konzeptionelle Grundlagen

Bearbeitung / Koordination:  PD Dr. Steffen Kailitz

Sind Demokratien eigentlich dauerhafter als Autokratien? Können wir überhaupt die Autokratien über einen Leisten schlagen oder gibt es grundlegende Unterschiede zwischen der Langlebigkeit verschiedener Formen der Autokratie? Wie schneiden etwa die totalitären und post-totalitären Ideokratien im Vergleich zu Militärdikaturen ab? Sicher ist, dass nicht nur der Regimetyp die Langlebigkeit eines Regimes beeinflusst. So kann es als nachgewiesen gelten, dass eine positive wirtschaftliche Entwicklung die Dauerhaftigkeit jeglichen Regimes egal welchen Typs erhöht. Daher ist u.a. auch zu prüfen, ob und in welcher Form der politische Regimetyp die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst. Genutzt wird zur Beantwortung der Fragen eine eigens entwickelte neue Klassifikation, die politische Regime anhand ihrer Form der Legitimation der Herrschaft voneinander abgrenzt. Unterschieden wird dabei zwischen den liberalen Demokratien und sechs Varianten der Autokratie: Monarchie, Ideokratie, Militärautokratie, personalistische Autokratie, Einparteiautokratie und elektorale Autokratie. Alle souveränen Staaten der Welt wurden auf der Grundlage dieser Klassifikation für den Zeitraum 1946 bis 2010 in einem Datensatz den sieben Regimekategorien zugeordnet. Der Datensatz ist auf Anfrage beim Projektbearbeiter erhältlich. Um eine kurze Darlegung der Form der beabsichtigten Nutzung wird gebeten.

Ergebnisse des Projekts sind u.a.: Kommunistische Ideokratien waren nach dem Zweiten Weltkrieg der dauerhafteste Regimetyp – und damit sogar im Durchschnitt langlebiger als die durchschnittliche Demokratie. Lediglich eine reiche Demokratie hat eine höhere Lebenserwartung als eine kommunistische Ideokratie. Der kurzlebigste Regimetyp sind Militärautokratien. Kommunistische Ideokratien sind zudem wirtschaftlich recht erfolgreich in noch nicht besonders weit entwickelten Staaten. Desaströs für die wirtschaftliche Entwicklung von Staaten sind personalistische Autokratien. Elektorale Autokratien und Einparteiautokratien schneiden kaum besser ab.
Projektergebnisse wurden und werden auf nationaler und internationaler Ebene präsentiert. Gemeinsam mit Prof. Dr. Patrick Köllner (GIGA und Universität Hamburg) und Prof. Dr. Christian Göbel (Universität Wien) wurden Sektionen mit zahlreichen panels zur vergleichenden Autokratieforschung bei Konferenzen der DVPW, der ECPR und von IPSA-ECPR organisiert. Gemeinsam mit Dr. Thomas Richter (Sprecher des Forschungsteams "Persistenz und Wandel nichtdemokratischer Regime" am GIGA, Hamburg) wurde ein panel der American Political Science Association ausgerichtet. U.a. fanden die Projektergebnisse ihren Niederschlag in Sonderheften der sehr renommierten politikwissenschaftlichen Zeitschriften Democratization (2013) und Politische Vierteljahresschrift (2013). Weiterhin gingen aus dem Projektkontext zwei Ausgaben der Institutszeitschrift “Totalitarismus und Demokratie” hervor. Hinzu kommt ein gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Backes (HAIT) herausgegebener Band zum Regimetyp der Ideokratie in der Institutsreihe des HAIT und zwei gemeinsam mit Patrick Köllner und Prof. Dr. Aurel Croissant und Stefan Wurster (beide Universität Heidelberg) herausgegebenen englischsprachige Bände zur Typologisierung, zur Dauerhaftigkeit und zur Performanz von Autokratien.

letzte Änderung: 20.04.2015